Das Herzschmerzlied „Don't Cry for Me Argentina“ aus dem Musical „Evita“, basierend auf dem Leben der gleichnamigen Präsidentengattin, haben wir vermutlich alle schon mal irgendwann gehört. Und genau diese Evita beziehungsweise eigentlich María Eva Duarte de Perón ist der Dreh- und Angelpunkt des Auftaktbandes rund um einen visionären französischen Flugzeugkonstrukteur. Ein franko-belgischer Geschichtscomic, der sich um Flugzeuge dreht? Da muss man gar nicht lange herumraten, das klingt natürlich nach einem Werk aus dem Verlagshaus „Bunte Dimensionen“, die mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten. Und das, obwohl ich als Liebhaber dieses Nischengenres ja durchaus auch gern kritische Worte verliere ;-) Also schauen wir mal, worum es geht und ob dieser Zweiteiler auch was taugt... Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges ist der französische Flugzeugkonstrukteur Jean Vatine in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gestrandet. Er hofft auf den Auftrag für die Konstruktion & Produktion eines Kampfjets, doch ihm gelingt es einfach nicht, irgendwo einen Fuß in die Tür des Verteidigungsministeriums zu bekommen. Durch einen eigentlich unglücklichen, rückblickend betrachtet aber glücklichen Zufall lernt er jedoch die bildhübsche Hobby-Pilotin Consuela Martinez kennen, die sich ziemlich schnell in ihn verguckt. Und was noch besser ist: Sie ist die titelgebende Freundin von Eva Perón, durch deren Einfluss sich für Jean alle Türen öffnen... Rasch hat er eine neue Flugzeugfirma gegründet und kompetente Mitarbeitende angeworben, sodass dem Düsenjäger-Großauftrag nichts mehr im Weg steht. Oder etwa doch? Denn neben den erwartbaren Rückschlägen (etwa dass man sich über die Fliegerkonstruktion zerstreitet oder dass dann so ein Prototyp auch mal eine Bruchlandung hinlegt) stehen vor allem private Probleme dem Erfolg im Weg: Einerseits versucht Jean die Aussöhnung mit seinem Sohn Paul (der im Weltkrieg auf der anderen Seite gekämpft hat), andererseits hat Consuela ihre mindestens ebenso hübsche Tochter in der Firma untergebracht. Und die hat nichts anderes zu tun, als sich einmal quer durch die Belegschaft zu vögeln – Sogar mit ihrem Bald-Stiefpapa Jean! Prinzipiell erzählt dieser Auftaktband zwei miteinander verwobene Geschichten, die beide für sich genommen eher schwach sind: Da haben wir einerseits die Konstruktion des Düsenfliegers, welche trotz allem Hin-und-Her vor allem daraus besteht, dass Jean über Consuela über Eva alle dramatischen Hindernisse umgehen kann. Eine Fabrik nebst Flugplatz? Hat der Staat bereits enteignet, gibt es zum Eva-Freundschaftspreis. Fachpersonal? Gibt ja ordentlich Staatsknete, da kann man auch mal das doppelte Gehalt bieten... Andererseits haben wir die Seifenoper-Liebelei rund um Consuelas Tochter, die (und das soll nicht wertend gemeint sein) so ziemlich jede relevante Nebenfigur ranlässt. Das führt innerhalb der Firma zwar zu Konflikten, diese können sich auf gerade mal 56 Seiten – von denen bereits 6 Seiten aber für einen sehr informativen Bonusteil draufgehen, zudem taucht sie erstmals nach dem halben Band auf – aber so gar nicht entfalten. Man wird quasi einfach damit konfrontiert, dass sie den nächsten Typen in der Kiste hat, ohne dass man als Lesende(r) versteht, was da eigentlich gerade vor sich geht. Und dann ist der Band auch schon vorbei. Hoffen wir mal, dass dieser Handlungsstrang im Abschlussband noch genauer erklärt wird, denn bisher habe ich noch keine wirklich interessante Geschichte bekommen, sodass mich selbst die verschiedenen kleineren Nebenhandlungen (u.a. die Rückkehr des verlorenen Sohnes) noch nicht richtig packen konnten. Aber dafür bekam ich, und das ist für Fans dieses Nischengenres ja auch wichtig, immerhin ein paar hübsch gemalte Flugzeuge ;-) Der Rest der Zeichnungen ist dagegen eher durchschnittlich, meistens sogar völlig solide. Jedoch wirken die Proportionen und Posen der Figuren mitunter fragwürdig. Dafür ist die Kolorierung, trotz ihrer Einfachheit, überraschend stimmungsvoll. Fazit: Fans dieses Nischengenres bekommen mit „Das Gewicht der Wolken #1 Die Freundin von Eva Perón“ (Link) insgesamt einen soliden Auftaktband, der mich aber noch nicht völlig überzeugt hat. Ich bin gespannt, ob die Geschichte im Zweiteiler-Abschluss noch an Fahrt gewinnt.
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